Standesbeamter werden: Weg ins Standesamt und Gehalt
Standesbeamtin oder Standesbeamter ist kein Ausbildungsberuf, sondern eine Bestellung. Welche Qualifikation, welcher Lehrgang und welche Entgeltgruppe dahinterstehen.
Redaktion StaatsJobs.com· Veröffentlicht
Das Wichtigste in Kürze
Standesbeamtinnen und Standesbeamte werden nach § 2 PStG bestellt, Beamte wie Tarifbeschäftigte. Bayern verlangt eine Verwaltungsqualifikation (dritte Qualifikationsebene oder Beschäftigtenlehrgang II), einen Einführungslehrgang und mindestens drei Monate Praxis im Standesamt. Eine feste Entgeltgruppe schreibt das Gesetz nicht vor; maßgeblich ist die Stellenbewertung. Im TVöD VKA liegt etwa E 9b Stufe 1 ab 1.5.2026 bei 3.779,84 € brutto.
Standesbeamtin oder Standesbeamter wird man nicht durch eine eigene Berufsausbildung, sondern durch eine Bestellung. Das Personenstandsgesetz (PStG) erlaubt sie nach § 2 Abs. 3 für Beamte und Angestellte, die nach Ausbildung und Persönlichkeit geeignet sind. Der Weg führt deshalb fast immer über eine Verwaltungsqualifikation, einen Fachlehrgang und praktische Erfahrung im Standesamt. Wie das konkret aussieht, regeln die Länder in eigenen Ausführungsverordnungen.
Was machen Standesbeamtinnen und Standesbeamte?
Sie beurkunden und beglaubigen alles, was den Personenstand betrifft. Der Personenstand ist die rechtliche Stellung eines Menschen in der Familie, also Geburt, Ehe, Lebenspartnerschaft und Tod. Nach § 2 Abs. 1 PStG dürfen nur bestellte Urkundspersonen diese Beurkundungen vornehmen.
Dazu gehört auch die Ausstellung von Personenstandsurkunden und elektronischen Personenstandsbescheinigungen. Eine Geburtsurkunde oder Eheurkunde darf also keine beliebige Sachbearbeiterin unterschreiben. Im Alltag bedeutet das: Geburten und Sterbefälle eintragen, Eheschließungen vorbereiten und durchführen, Namenserklärungen entgegennehmen und Urkunden ausstellen.
Eine Besonderheit ist die fachliche Unabhängigkeit. Wenn Standesbeamte als Urkundspersonen handeln, sind sie nach § 2 Abs. 2 PStG nicht an Weisungen gebunden. Die Amtsleitung kann also nicht anordnen, eine bestimmte Beurkundung vorzunehmen oder zu unterlassen. Wie sich das Standesamt in die übrige Verwaltung einfügt, zeigt die Übersicht der Ämter im Rathaus.
Wer darf Standesbeamtin oder Standesbeamter werden?
Grundsätzlich kommen Beamtinnen und Beamte ebenso wie Tarifbeschäftigte in Frage. Das PStG nennt beide Gruppen ausdrücklich. Die genaue Eignung legen die Länder fest.
Bayern formuliert die Anforderungen besonders klar. Nach § 2 Abs. 1 der bayerischen Ausführungsverordnung (AVPStG) müssen vier Voraussetzungen zusammenkommen:
- ein Dienst- oder Beschäftigungsverhältnis beim Rechtsträger des Standesamts, meist der Gemeinde,
- als Beamtin oder Beamter die Qualifikationsprüfung für die dritte Qualifikationsebene im nichttechnischen Verwaltungsdienst, als Arbeitnehmerin oder Arbeitnehmer die Fachprüfung des Beschäftigtenlehrgangs II der Bayerischen Verwaltungsschule,
- die erfolgreiche Teilnahme an einem Einführungslehrgang für Standesbeamte,
- mindestens drei Monate Tätigkeit in einem Standesamt als Sachbearbeitung oder zur Einweisung.
Bayern bevorzugt außerdem den Beamtenstatus. Nach § 1 Abs. 3 AVPStG sind „in der Regel“ Beamte zu bestellen. Tarifbeschäftigte mit Beschäftigtenlehrgang II bleiben trotzdem zulässig, weil die Verordnung sie in § 2 ausdrücklich vorsieht.
Wie wird man Schritt für Schritt Standesbeamter?
Der typische Weg verläuft in fünf Stufen. Die Reihenfolge folgt dem bayerischen Modell, die Grundlogik findet sich auch in anderen Ländern.
- Verwaltungsqualifikation erwerben. Beamtinnen und Beamte absolvieren meist ein duales Studium in der Verwaltung. Tarifbeschäftigte kommen oft über die Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten und anschließend den Verwaltungslehrgang II.
- Stelle bei der Kommune antreten. Die Bestellung setzt ein Dienst- oder Beschäftigungsverhältnis beim Träger des Standesamts voraus. Freie Stellen finden Sie unter Jobs bei Kommunen.
- Praxis im Standesamt sammeln. In Bayern sind mindestens drei Monate vorgeschrieben, entweder als Sachbearbeitung oder zur Einweisung.
- Fachlehrgang besuchen. Einführungslehrgänge bieten etwa die Bayerische Verwaltungsschule und die Akademie für Personenstandswesen in Bad Salzschlirf an. Dauer, Inhalte und Kosten erfragen Sie direkt beim Anbieter oder beim Dienstherrn, der die Teilnahme meist organisiert.
- Bestellung durch den Rechtsträger. In Bayern erfolgt sie durch Verwaltungsakt und Aushändigung einer Urkunde (§ 1 Abs. 1 und 2 AVPStG). Die Gemeinde zeigt die Bestellung der unteren Aufsichtsbehörde an.
Von Vorbildung und Einführungslehrgang kann die Aufsichtsbehörde in begründeten Einzelfällen absehen (§ 2 Abs. 2 AVPStG). Für Landkreise und kreisfreie Gemeinden entscheidet die obere, für die übrigen Gemeinden die untere Aufsichtsbehörde.
Was gilt in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg?
In NRW bestellt die Gemeinde die Standesbeamtinnen und Standesbeamten nach der Personenstandsverordnung NRW. Die Eignung setzt dort eine qualifizierte Schulung und hinreichende Erfahrung mit der standesamtlichen Tätigkeit voraus. Eine feste Mindestdauer der Praxis nennt der ausgewertete Verordnungsauszug nicht.
In Baden-Württemberg ist ebenfalls die Gemeinde zuständig, Bestellung und Widerruf bedürfen der Schriftform. Neu eingestellte Bedienstete ohne die vollen Voraussetzungen können dort für bis zu drei Monate befristet bestellt werden. Als stellvertretende Standesbeamtin oder stellvertretender Standesbeamter kann man die Eignung auch durch mindestens zwölf Monate praktische Tätigkeit im Personenstandswesen erwerben.
Für die übrigen Länder gelten eigene Verordnungen. Wer sich außerhalb dieser drei Länder bewirbt, sollte die Anforderungen in der Stellenausschreibung oder bei der Personalabteilung erfragen.
Was verdient man im Standesamt?
Eine feste Entgelt- oder Besoldungsgruppe für Standesbeamte gibt es nicht. Weder § 2 PStG noch die hier ausgewerteten Landesverordnungen legen eine Gruppe fest. Entscheidend ist die Bewertung der konkreten Stelle nach den Tätigkeitsmerkmalen der Entgeltordnung. Wie diese Bewertung funktioniert, erklärt der Beitrag zur Eingruppierung nach Tätigkeitsmerkmalen.
Die Ausschreibung nennt die Entgeltgruppe fast immer. Die folgende Tabelle zeigt Monatsbeträge brutto der Gruppen E 8 bis E 10 im TVöD VKA, gültig ab 1.5.2026. Sie dient zum Nachschlagen, wenn Ihre Stelle in eine dieser Gruppen eingruppiert ist.
| Entgeltgruppe (TVöD VKA) | Stufe 1 | Stufe 3 | Stufe 6 |
|---|---|---|---|
| E 8 | 3.486,40 € | 3.843,36 € | 4.230,97 € |
| E 9a | 3.658,61 € | 4.097,67 € | 4.979,97 € |
| E 9b | 3.779,84 € | 4.203,56 € | 5.313,37 € |
| E 9c | 4.010,72 € | 4.594,76 € | 5.527,70 € |
| E 10 | 4.124,53 € | 4.794,69 € | 5.753,35 € |
Die vollständige Tabelle mit allen Stufen finden Sie unter TVöD VKA Entgelttabelle. Welche Stufe Sie beim Einstieg erhalten, hängt von Ihrer Berufserfahrung ab; Details stehen im Beitrag zur Stufenzuordnung bei Neueinstellung.
Verbeamtete Standesbeamtinnen und Standesbeamte bei Kommunen erhalten Besoldung nach dem Recht ihres Landes, nicht nach der Bundesbesoldung. Die Beträge unterscheiden sich zwischen den Ländern spürbar. Einen Vergleich bietet der Beitrag Besoldung im Ländervergleich.
Kann die Bestellung wieder enden?
Ja, die Bestellung ist kein dauerhafter Status. In Bayern kann sie jederzeit schriftlich widerrufen werden. Bei fachlicher oder persönlicher Ungeeignetheit muss sie nach § 3 Abs. 1 AVPStG unverzüglich widerrufen werden.
Als Hinweis auf fehlende Eignung nennt die Verordnung zwei Fälle. Der erste: Die Person hat länger als ein Jahr am Stück keine Beurkundung in einem Personenstandsregister vorgenommen. Der zweite: Sie hat in fünf Jahren nicht im erforderlichen Maß an Fortbildungen teilgenommen. Die Teilnahme an Fortbildungen ist der unteren Aufsichtsbehörde anzuzeigen.
Baden-Württemberg verpflichtet Standesbeamte und ihre Stellvertretungen ebenfalls zur Fortbildung. Die Eignung bleibt dort erhalten, wenn sie regelmäßig Lehrgänge des Fachverbands der Standesbeamtinnen und Standesbeamten Baden-Württemberg besuchen. Scheidet jemand aus dem Dienst- oder Beschäftigungsverhältnis aus, erlischt die Bestellung in Bayern automatisch (§ 3 Abs. 2 AVPStG). Ein Wechsel zu einer anderen Gemeinde erfordert also eine neue Bestellung.
Sonderfall: Trauungen durch Bürgermeister
Nicht jede Person, die Ehen schließt, ist voll ausgebildete Standesbeamtin oder voll ausgebildeter Standesbeamter. In Bayern können Bürgermeister ohne die üblichen Voraussetzungen bestellt werden, wenn sie nur Eheschließungen und Lebenspartnerschaften vornehmen. Sie sollen zeitnah eine personenstandsrechtliche Kurzschulung besuchen.
Baden-Württemberg kennt dafür Eheschließungsstandesbeamte. Bestellt werden können etwa Bürgermeister, Beigeordnete, Ortsvorsteher sowie geeignete aktive oder ehemalige Bedienstete. Ihre Befugnis beschränkt sich auf Eheschließungen, die dabei möglichen Namenserklärungen und die Erstausstellung der Eheurkunde.
Für den Einstieg ins volle Berufsbild ist der Weg über die Sachbearbeitung realistischer. Viele Standesämter suchen Verstärkung zunächst für die Sachbearbeitung und bestellen nach Lehrgang und Einarbeitung. Wie solche Stellen allgemein aufgebaut sind, beschreibt der Beitrag zur Sachbearbeitung in der Verwaltung. Achten Sie in der Ausschreibung auf den Hinweis, ob die Bestellung zur Standesbeamtin oder zum Standesbeamten vorgesehen ist und ob der Arbeitgeber den Fachlehrgang übernimmt.
Häufige Fragen
Kann man als Angestellter Standesbeamter werden?
Ja. Das Personenstandsgesetz erlaubt in § 2 Abs. 3 ausdrücklich die Bestellung von Beamten und Angestellten, sofern sie nach Ausbildung und Persönlichkeit geeignet sind. In Bayern brauchen Tarifbeschäftigte dafür die bestandene Fachprüfung des Beschäftigtenlehrgangs II der Bayerischen Verwaltungsschule. Die bayerische Verordnung sieht zwar vor, dass in der Regel Beamte bestellt werden. Tarifbeschäftigte mit der passenden Qualifikation bleiben aber ausdrücklich zugelassen.
Wie lange dauert es, bis man Standesbeamtin wird?
Eine feste Gesamtdauer gibt es nicht, weil der Weg auf einer Verwaltungsqualifikation aufbaut. In Bayern kommen nach Studium oder Beschäftigtenlehrgang II noch der Einführungslehrgang und mindestens drei Monate Praxis im Standesamt hinzu. In Baden-Württemberg kann die Eignung für eine Stellvertretung auch durch mindestens zwölf Monate praktische Tätigkeit im Personenstandswesen entstehen. Die Lehrgangsdauer nennt der jeweilige Anbieter.
Welche Entgeltgruppe haben Standesbeamte im TVöD?
Das Personenstandsgesetz legt keine Entgeltgruppe fest. Maßgeblich ist die Bewertung der einzelnen Stelle nach den Tätigkeitsmerkmalen der Entgeltordnung, die Ausschreibung nennt das Ergebnis. Zur Orientierung: Im TVöD VKA beträgt E 9b Stufe 1 ab 1.5.2026 monatlich 3.779,84 € brutto, E 9c Stufe 1 liegt bei 4.010,72 € brutto. Verbeamtete Kräfte bei Kommunen erhalten Besoldung nach Landesrecht.
Darf ein Standesbeamter Weisungen vom Bürgermeister bekommen?
Bei der Arbeit als Urkundsperson nicht. § 2 Abs. 2 PStG stellt Standesbeamtinnen und Standesbeamte bei Beurkundungen und Beglaubigungen von Weisungen frei. Die Amtsleitung oder der Bürgermeister kann also nicht vorgeben, wie eine Geburt, Ehe oder ein Sterbefall beurkundet wird. Organisatorische Fragen wie Dienstplan oder Raumzuteilung unterliegen dagegen weiterhin dem normalen Direktionsrecht des Arbeitgebers oder Dienstherrn.
Verliert man die Bestellung zum Standesbeamten wieder?
Das ist möglich. In Bayern kann die Bestellung jederzeit schriftlich widerrufen werden und muss bei Ungeeignetheit unverzüglich widerrufen werden. Als Anzeichen nennt die Verordnung mehr als ein Jahr am Stück ohne Beurkundung im Personenstandsregister oder unzureichende Fortbildung innerhalb von fünf Jahren. Wer aus dem Dienst- oder Beschäftigungsverhältnis bei der Gemeinde ausscheidet, verliert die Bestellung automatisch.
Quellen und Stand
Zuletzt geprüft: . Zahlen und Paragrafen stammen aus den folgenden Primärquellen.
- Personenstandsgesetz (PStG), § 2 Standesbeamte · abgerufen am 14.10.2026
- Verordnung zur Ausführung des Personenstandsgesetzes (AVPStG) Bayern · Fassung gültig ab 01.07.2024, zuletzt geändert durch Verordnung vom 18.5.2024
- Personenstandsverordnung NRW (PStVO NRW), § 1 · SGV. NRW. Stand 1.8.2025
- Verordnung zur Durchführung des Personenstandsgesetzes Baden-Württemberg (PStG-DVO BW) · Fassungsdatum nicht ermittelt, eingesehen 2026
- VKA: TVöD Entgelttabelle Verwaltung ab 01.05.2026 · gültig ab 01.05.2026 (Tarifeinigung 06.04.2025)