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Rostock streicht 145 Beamtenstellen bis 2050

Rostock will fast alle Verwaltungsbeamten durch Tarifbeschäftigte ersetzen. Der dbb warnt vor versteckten Folgekosten und einem unattraktiveren Arbeitgeber.

Redaktion StaatsJobs.com· Veröffentlicht · Aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

Die Stadt Rostock plant, von 155 Beamtenstellen in der Verwaltung bis 2050 nur zehn zu erhalten. Frei werdende Stellen werden künftig nicht mehr als Beamtenposten ausgeschrieben, um Pensionsrücklagen zu sparen. Der Deutsche Beamtenbund kritisiert das Vorgehen als Kostenverlagerung in die Zukunft. Auch München, Ingolstadt und Karlsruhe passen wegen klammer Kassen ihre Personalpolitik an, verfolgen aber unterschiedliche Ansätze. Karlsruhe hält den Rostocker Weg wegen verfassungsrechtlicher Bedenken für nicht übertragbar.

Von 155 auf zehn Stellen

Die Hansestadt Rostock will den Großteil ihrer Verwaltungsbeamten durch Tarifbeschäftigte ersetzen. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke) kündigte an, dass von 155 Beamtenstellen künftig nur noch zehn bestehen bleiben sollen. Der Umbau soll über natürliche Fluktuation laufen: Wer in den Ruhestand geht, wird nicht mehr durch eine Beamtin oder einen Beamten ersetzt, sondern durch Beschäftigte im Tarifverhältnis. Kröger rechnet mit einem Abschluss des Prozesses erst im Jahr 2050. Ausgenommen bleiben die 296 Beamtinnen und Beamten der Berufsfeuerwehr.

Hintergrund ist die angespannte Haushaltslage. Rostock bildet derzeit jährlich elf bis zwölf Millionen Euro an Pensionsrücklagen. Diese Summe soll künftig entfallen, zusätzlich erhofft sich die Stadt laut einem Bericht der „Ostsee-Zeitung“ fünfstellige Einsparungen je umgewandelter Stelle. Kröger begründete den Schritt auch grundsätzlich: „Das Beamtentum wieder auszubauen, wäre aus der Zeit gefallen.“

Beamtenbund widerspricht der Rechnung

Der Landesvorsitzende des Deutschen Beamtenbunds (dbb) in Mecklenburg-Vorpommern, Dietmar Knecht, hält die Kalkulation für falsch. Seiner Einschätzung nach verschiebt die Stadt Kosten lediglich in die Zukunft und schwächt zugleich ihre Position als Arbeitgeberin. Als eigentliche Probleme nennt der dbb einen hohen Krankenstand, Überregulierung und fehlende Möglichkeiten, Leistung zu honorieren. Über diese Punkte sei man gesprächsbereit, über eine Abschaffung des Beamtenstatus nicht, so Knecht.

Andere Kommunen gehen eigene Wege

Auch andere Städte reagieren auf leere Kassen mit Eingriffen in die Personalpolitik, allerdings unterschiedlich. München verhängte im Vorjahr einen befristeten Einstellungsstopp für externe Bewerbungen und beschloss zum Jahresende die „Personalstrategie 2030“. Diese soll die Personalkosten bei rund 2,5 Milliarden Euro jährlich stabilisieren, unter anderem durch gesteuerte Fluktuation. Laut Stadtverwaltung werden in den betroffenen Bereichen im Schnitt rund 45 Prozent frei werdender Stellen wiederbesetzt, eine gezielte Abschaffung von Beamtenstellen ist damit nicht gemeint. Eine Vergleichsrechnung aus dem Jahr 2010 hatte zudem ergeben, dass Beamtenverhältnisse für München wirtschaftlich vorteilhaft sein können.

Ingolstadt plant, binnen zwei Jahren 200 bis 220 Verwaltungsstellen abzubauen, setzt dabei aber nicht gezielt bei Beamtenstellen an, sondern auf Wiederbesetzungssperren, Budgetkürzungen und den Einsatz Künstlicher Intelligenz. Karlsruhe hat wegen eingebrochener Gewerbesteuereinnahmen eine Stellenbesetzungssperre verhängt, lehnt das Rostocker Modell aber ab. Die Stadtverwaltung verweist auf langfristige Versorgungslasten bestehender Beamtenverhältnisse und auf verfassungsrechtliche Bedenken in Baden-Württemberg.

Was das für Bewerberinnen und Bewerber bedeutet

Wer sich für eine Laufbahn im öffentlichen Dienst interessiert, sollte die Entwicklung in Rostock als Einzelfall einordnen, der aber Signalwirkung haben kann. In Kommunen mit angespannten Haushalten könnten Verwaltungsstellen künftig häufiger im Tarifverhältnis statt verbeamtet ausgeschrieben werden. Betroffen wären vor allem klassische Verwaltungsaufgaben, nicht aber Bereiche wie Feuerwehr, Polizei oder Schuldienst, die weiterhin regelmäßig verbeamtet werden. Welche Vertragsform eine Stelle tatsächlich vorsieht, steht in der Ausschreibung; aktuelle Angebote finden Sie unter staatsjobs.com/jobs, speziell bei Kommunen. Wer unsicher ist, wie sich Einkommen im Tarifbereich im Vergleich zur Besoldung entwickeln, findet Orientierung in den Tabellen zum TVöD-VKA.

Häufige Fragen

Was plant die Stadt Rostock konkret mit ihren Beamtenstellen?

Rostock will von 155 Beamtenstellen in der Verwaltung bis zum Jahr 2050 nur noch zehn erhalten. Frei werdende Stellen werden nicht mehr als Beamtenposten ausgeschrieben, sondern mit Tarifbeschäftigten besetzt. Ausgenommen sind die 296 Beamtinnen und Beamten der Berufsfeuerwehr. Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger begründet dies mit der angespannten Haushaltslage und eingesparten Pensionsrücklagen.

Warum kritisiert der Deutsche Beamtenbund den Plan?

Der dbb-Landesvorsitzende Dietmar Knecht sieht in dem Vorhaben keine echte Einsparung, sondern eine Verlagerung von Kosten in die Zukunft. Zudem mache die Stadt sich als Arbeitgeberin weniger attraktiv. Als tatsächliche Probleme nennt der Verband hohen Krankenstand, Überregulierung und fehlende Leistungsanreize, über die man sprechen wolle.

Gehen auch andere Städte diesen Weg?

München, Ingolstadt und Karlsruhe haben wegen klammer Kassen ebenfalls ihre Personalpolitik angepasst, verfolgen aber andere Ansätze. München steuert den Personalbestand über Fluktuation, ohne gezielt Beamtenstellen abzubauen. Karlsruhe lehnt das Rostocker Modell wegen langfristiger Versorgungslasten und verfassungsrechtlicher Bedenken ausdrücklich ab.

Was bedeutet das für Bewerberinnen und Bewerber im öffentlichen Dienst?

In Kommunen mit Haushaltsproblemen könnten Verwaltungsstellen künftig häufiger tarifvertraglich statt verbeamtet ausgeschrieben werden. Bereiche wie Feuerwehr, Polizei oder Schuldienst blieben davon voraussichtlich weitgehend unberührt. Interessierte sollten bei Bewerbungen genau prüfen, welches Dienstverhältnis eine ausgeschriebene Stelle vorsieht.

Quellen und Stand

Zuletzt geprüft: . Zahlen und Paragrafen stammen aus den folgenden Primärquellen.

  1. Behörden Spiegel · Stand 26.10.2026