Öffentlicher Dienst: Wenig Vielfalt bei Herkunft in Verwaltung
Destatis zeigt: In Pflege und Gastronomie hat fast jeder Zweite eine Einwanderungsgeschichte. In Verwaltung, Justiz und Polizei sind es nur rund 9 Prozent.
Redaktion StaatsJobs.com· Veröffentlicht
Das Wichtigste in Kürze
Das Statistische Bundesamt hat für 2025 den Anteil von Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte in Engpassberufen ausgewertet. In Pflege, Gastronomie und Bauberufen liegt er teils über 50 Prozent. In öffentlicher Verwaltung, Justiz, Polizei und im Lehramt fällt er dagegen deutlich unter den gesamtwirtschaftlichen Schnitt von 27 Prozent. Für Behörden mit Personalbedarf ergibt sich daraus ein bislang wenig genutztes Potenzial an Fachkräften.
Das Statistische Bundesamt hat am 28. September 2026 neue Zahlen zur Erwerbstätigkeit von Menschen mit Einwanderungsgeschichte veröffentlicht. Grundlage sind Erstergebnisse des Mikrozensus für das Berichtsjahr 2025. Im Fokus stehen Berufe, in denen laut Bundesagentur für Arbeit ein Fachkräftemangel besteht oder droht.
Hohe Anteile in Pflege und Gastronomie, kaum Vertretung in der Verwaltung
Bundesweit hatten 2025 gut 27 Prozent aller abhängig Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte. In vielen Mangelberufen liegt dieser Anteil deutlich höher: Bei Köchinnen und Köchen waren es 56 Prozent, in der Lebensmittelherstellung 55 Prozent, bei Bodenlegern 54 Prozent. Auch in Pflegeberufen lag der Anteil mit 33 Prozent über dem Gesamtdurchschnitt.
Ein anderes Bild zeigt sich in Bereichen, die überwiegend zum öffentlichen Dienst zählen. Im Polizeivollzugsdienst hatten nur 8 Prozent der Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte, in der öffentlichen Verwaltung und der Justizverwaltung jeweils 9 Prozent. Bei Lehrkräften der Primarstufe waren es 10 Prozent, bei Lehrkräften für berufsbildende Fächer 9 Prozent. Destatis weist ausdrücklich darauf hin, dass diese Berufe nicht als Mangelberufe eingestuft sind, aber ähnlich niedrige Anteile aufweisen wie manche Engpassberufe außerhalb des öffentlichen Sektors.
Was das für Bewerbungen im öffentlichen Dienst bedeutet
Für Arbeitgeber bei Bund, Ländern und Kommunen liegt in diesen Zahlen ein Hinweis auf ungenutztes Bewerberpotenzial. Wer eine Einwanderungsgeschichte hat und einen Berufsabschluss aus dem Ausland mitbringt, findet in Verwaltung, Justiz oder Polizei bislang seltener den Weg in eine Anstellung als in Pflege oder Gastronomie. Gründe dafür nennt die Mitteilung nicht, sie lassen sich aber unter anderem in Zugangsvoraussetzungen, Sprachanforderungen und Anerkennungsverfahren vermuten.
Die Auswertung zeigt zudem, dass die Aufenthaltsdauer die Erwerbstätigenquote stark beeinflusst. Bei Männern aus der EU mit weniger als fünf Jahren Aufenthalt lag sie 2025 bei 89 Prozent, bei Frauen bei 73 Prozent. Bei Eingewanderten aus dem Nahen und Mittleren Osten mit kurzer Aufenthaltsdauer lag sie bei 57 Prozent für Männer und 28 Prozent für Frauen. Nach 20 bis 25 Jahren in Deutschland gleichen sich die Quoten den Werten der Gesamtbevölkerung an.
Einordnung für Stellensuchende
Wer sich für eine Stelle im öffentlichen Dienst interessiert und im Ausland qualifiziert wurde, sollte sich frühzeitig mit der Anerkennung von Abschlüssen befassen. Tarifbeschäftigte orientieren sich bei der Eingruppierung an den Tabellen von TVöD-VKA oder TV-L, Beamtinnen und Beamte an der Besoldungstabelle des Bundes. Offene Stellen in Verwaltung, Pflege oder Sicherheitsberufen finden Sie gesammelt unter StaatsJobs.com.
Häufige Fragen
Was bedeutet „Einwanderungsgeschichte“ in der Destatis-Statistik?
Laut Statistischem Bundesamt hat eine Person eine Einwanderungsgeschichte, wenn sie selbst oder beide Elternteile seit dem Jahr 1950 nach Deutschland eingewandert sind. Diese Definition stammt aus dem Mikrozensus und wird für die aktuellen Zahlen zum Berichtsjahr 2025 verwendet.
Warum ist der Anteil in Polizei und Verwaltung so niedrig?
Die Meldung nennt hierfür keine konkreten Gründe. Sie stellt lediglich fest, dass Polizeivollzugsdienst, öffentliche Verwaltung, Justizverwaltung und Lehramt mit Anteilen zwischen 8 und 10 Prozent deutlich unter dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 27 Prozent liegen.
Wie wirkt sich die Aufenthaltsdauer auf die Erwerbstätigkeit aus?
Je länger Menschen in Deutschland leben, desto mehr gleicht sich ihre Erwerbstätigenquote der Gesamtbevölkerung an. Nach 20 bis 25 Jahren lagen die Quoten bei Eingewanderten aus Afrika und dem Nahen Osten nur noch wenige Prozentpunkte unter denen aller 25- bis 59-Jährigen in Deutschland.
Quellen und Stand
Zuletzt geprüft: . Zahlen und Paragrafen stammen aus den folgenden Primärquellen.
- Statistisches Bundesamt · Stand 28.9.2026