Landkreistag warnt vor neuen Kostenlasten bei Pflege und Kliniken
Der Deutsche Landkreistag sieht bei der Pflegereform einen Teilerfolg, warnt aber vor weiteren Kostenlasten für Kommunen bei Kliniken und Rettungsdienst.
Redaktion StaatsJobs.com· Veröffentlicht
Das Wichtigste in Kürze
Der Deutsche Landkreistag begrüßt eine Korrektur im Kabinettsentwurf zur Pflegereform, die Kommunen entlastet. Dennoch bleiben laut Verband Mehrausgaben von rund 600 Millionen Euro bei der Hilfe zur Pflege bestehen. Auch bei Krankenhausfinanzierung und Rettungsdienst fordert der Verband strukturelle Reformen statt weiterer Kostenverlagerung auf Landkreise und Städte. Für Beschäftigte in Pflege, Kliniken und Rettungsdiensten im öffentlichen Dienst bedeutet das anhaltenden Spardruck in den kommunalen Trägern.
Teilerfolg bei der Pflegereform
Der Deutsche Landkreistag hat nach einer Präsidiumssitzung im Burgenlandkreis eine erste Reaktion der Bundesregierung auf seine Kritik an der Pflegereform gewürdigt. Eine geplante zeitliche Streckung der Leistungszuschläge nach Dauer der Pflegebedürftigkeit ist aus dem Gesetzentwurf gestrichen worden. Damit entfällt eine zusätzliche Belastung der kommunal getragenen Hilfe zur Pflege.
Trotzdem rechnet der Verband weiterhin mit Mehrausgaben für Länder und Kommunen bei der Hilfe zur Pflege von rund 600 Millionen Euro, die bis 2030 auf etwa 350 Millionen Euro jährlich sinken sollen. DLT-Präsident Landrat Dr. Achim Brötel erklärte dazu: „Die strukturellen Probleme bleiben damit also bestehen.“
Forderungen an die neue Strukturkommission Pflege
Der Landkreistag verlangt, die Ausbildungsumlage aus den Eigenanteilen der Pflegebedürftigen herauszunehmen. Zudem sollen Krankenkassen die medizinische Behandlungspflege übernehmen. Pflegebedürftige in besonderen Wohnformen der Eingliederungshilfe sollen die vollen Leistungen der Pflegeversicherung erhalten. Diese Punkte sollen in der neu eingerichteten Strukturkommission Pflege behandelt werden.
Der Verband unterstützt zudem den Vorschlag, dass der Bund die Ausgaben der Hilfe zur Pflege übernimmt, die derzeit bei über 6 Milliarden Euro jährlich liegen. Brötel verweist dabei auf die Grundsicherung im Alter als Vorbild für eine stufenweise Übernahme durch den Bund.
Kliniken und Rettungsdienst unter Druck
Nach Angaben des Landkreistags schreiben bereits drei Viertel der Krankenhäuser rote Zahlen. Für 2026 rechnen allein die Landkreise mit mindestens rund 5 Milliarden Euro, die sie zur Stabilisierung ihrer Kliniken aufbringen müssen. Gefordert werden ein tragfähiges System zur Finanzierung der Betriebskosten, eine Überarbeitung der Vorhaltevergütung und weniger Bürokratie. Die vom Bund zugesagten zusätzlichen 450 Millionen Euro für Krankenhäuser müssten zügig gesetzlich umgesetzt werden, ohne dass sie durch Kürzungen an anderer Stelle wieder verloren gehen.
Beim Rettungsdienst hält der Verband nur kleinere Korrekturen für nötig, etwa eine rechtssichere Vergütung von medizinischen Leistungen am Einsatzort und von Leitstellenaufgaben. Weitergehende bundesgesetzliche Strukturvorgaben lehnt das Präsidium ab. Brötel warnte: „Eine Finanzierung, die diese Realität nicht abbildet, führt zwangsläufig zu einer strukturellen Unterfinanzierung.“
Bedeutung für Beschäftigte im öffentlichen Dienst
Für Beschäftigte in Pflegeverwaltungen, Kliniken und Rettungsdiensten der Landkreise bleibt der finanzielle Druck hoch. Wer sich für eine Stelle bei einer Kommune interessiert, sollte die angespannte Haushaltslage vieler Träger im Blick behalten. Tarifliche Eingruppierungen im Gesundheits- und Sozialbereich richten sich oft nach den Tabellen des TVöD-VKA. Stellen bei Ländern oder im Krankenhausbereich können zudem nach dem TV-L vergütet werden. Wer sich aktuell orientieren möchte, findet passende Angebote unter Jobs im öffentlichen Dienst oder gezielt bei tarifbeschäftigten Stellen.
Häufige Fragen
Was hat sich am Gesetzentwurf zur Pflegereform geändert?
Eine geplante zeitliche Streckung der Leistungszuschläge nach Dauer der Pflegebedürftigkeit wurde aus dem Entwurf gestrichen. Dadurch entfällt laut Deutschem Landkreistag eine zusätzliche Belastung der kommunal getragenen Hilfe zur Pflege. Strukturelle Kostenprobleme bleiben nach Einschätzung des Verbands aber weiterhin bestehen.
Welche Mehrausgaben erwarten Kommunen bei der Hilfe zur Pflege?
Der Gesetzentwurf sieht laut Landkreistag weiterhin Mehrausgaben für Länder und Kommunen von rund 600 Millionen Euro vor. Diese sollen bis 2030 auf etwa 350 Millionen Euro pro Jahr zurückgehen, bleiben aber eine dauerhafte Belastung für die kommunalen Haushalte.
Was fordert der Landkreistag bei der Krankenhausfinanzierung?
Der Verband verlangt ein tragfähiges System zur Finanzierung der Betriebskosten, eine Überarbeitung der Vorhaltevergütung und weniger Bürokratie. Zusätzlich zugesagte Bundesmittel von 450 Millionen Euro sollen zügig umgesetzt werden, ohne an anderer Stelle gekürzt zu werden.
Welche Änderungen beim Rettungsdienst werden gefordert?
Der Landkreistag fordert eine rechtssichere und auskömmliche Vergütung für medizinische Leistungen am Einsatzort, Fehlfahrten und Leitstellenaufgaben. Weitergehende bundesgesetzliche Struktur- und Qualitätsvorgaben für einen eigenständigen Bereich Notfallrettung lehnt der Verband ab.
Quellen und Stand
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- Deutscher Landkreistag · Stand 7.10.2026