Postdoktorand:in (m/w/d) am Lehrstuhl für Digital Governance
Hochschule für Politik München
Zur Verstärkung unseres Teams suchen wir zum nächstmöglichen Zeitpunkt für den Standort München eine motivierte Persönlichkeit als Postdoktorand:in (m/w/d) am Lehrstuhl für Digital Governance.
Die Hochschule für Politik München (HfP) verbindet Exzellenz in der Politikwissenschaft mit dem Anspruch, den Dialog zwischen Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Technologie zu fördern. Als mit der Technischen Universität München (TUM) verbundene und von ihr getragene Institution widmen wir uns drängenden politischen Fragen und untersuchen die gesellschaftlichen Chancen und Herausforderungen, die sich aus neuen Technologien ergeben.
Das Content Moderation Lab ist eine gemeinsame Forschungsinitiative der Technischen Universität München und der University of Oxford. Es ist am TUM Think Tank angesiedelt und wird von Yannis Theocharis (TUM) und Spyros Kosmidis (University of Oxford) gemeinsam geleitet. Das Lab widmet sich der empirischen Untersuchung von Plattform-Governance, der Regulierung von Online-Äußerungen und der Moderation von Inhalten. Es arbeitet mit zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie bedeutenden staatlichen Institutionen, etwa dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz, zusammen.
Die Arbeit des Labs liegt an der Schnittstelle von Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Rechtswissenschaft und Informatik. Sie wird von der Überzeugung geleitet, dass die Regulierung von Online-Äußerungen eine der prägenden politischen Herausforderungen unserer Zeit ist.
Ihre Aufgaben
- Entwicklung und Verfolgung einer eigenständigen, hochwertigen Forschungsagenda innerhalb des inhaltlichen Spektrums des Lehrstuhls und des Content Moderation Lab.
- Eigenständige und kollaborative Veröffentlichung originärer Forschungsergebnisse in führenden begutachteten Fachzeitschriften.
- Aktive Beteiligung am wissenschaftlichen Leben des Lehrstuhls und des Content Moderation Lab. Dazu gehören insbesondere:
- Mitarbeit an laufenden Forschungsprojekten,
- Mitwirkung an der Ausarbeitung und Einreichung von Drittmittelanträgen des Lehrstuhls und des Labs, beispielsweise bei der DFG oder dem ERC,
- Organisation und Teilnahme an Workshops,
- Teilnahme an Lab-Meetings sowie deren Leitung.
- Mitwirkung am Aufbau und an der Weiterentwicklung der Forschungsinfrastruktur des Labs, insbesondere von Datensätzen, experimentellen Plattformen und computergestützten Analyse-Pipelines.
- Lehre in für den Lehrstuhl und das Lab relevanten Themenbereichen auf Bachelor- und/oder Masterniveau im Umfang von 5 SWS; dies entspricht in der Regel zwei Lehrveranstaltungen pro Semester.
- Austausch mit der breiteren wissenschaftlichen und politischen Fachöffentlichkeit, beispielsweise durch Konferenzbeiträge, Policy Briefs und gegebenenfalls öffentlichkeitswirksame Formate.
Forschungsthemen von besonderem Interesse
Content Moderation
- Wie Bürger:innen Fairness, Rechenschaftspflicht und demokratische Legitimation von Entscheidungen der Plattform-Governance bewerten.
- Die Bedeutung von Transparenz- und Beschwerde- beziehungsweise Einspruchsmechanismen.
Meinungsfreiheit im algorithmischen Zeitalter
- Empirische Untersuchung von Normen der Meinungsäußerung und ihrer Variation.
- Öffentliche Einstellungen zur Autorität von Plattformen über Äußerungen.
- Parteipolitische und ideologische Dimensionen des Bekenntnisses zur Meinungsfreiheit.
KI-Governance und automatisierte Moderation
- Einsatz großer Sprachmodelle (Large Language Models, LLMs) und maschineller Lernklassifikatoren in der Content Moderation.
- Mensch-KI-Interaktion in Moderationsabläufen und ihre Auswirkungen auf politisches Verhalten.
Plattformregulierung
- Compliance-Verhalten, Umsetzung sowie politische und verhaltensbezogene Folgen des Digital Services Act der Europäischen Union und verwandter regulatorischer Rahmenwerke, einschließlich Section 230 in den USA.
- Regulatorische Legitimität.
- Ländervergleichende Analysen verschiedener Regulierungsregime.
Verhaltensfolgen von Moderation
- Auswirkungen der Entfernung, Herabstufung und Kennzeichnung von Inhalten auf das Verhalten von Nutzer:innen.
- Plattformmigration.
- Radikalisierung und Rückzug beziehungsweise Desengagement.
Ihr Profil
- Promotion – oder kurz vor dem Abschluss einer Promotion – in Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Computational Social Science oder einer eng verwandten Disziplin.
- Ausgeprägte computergestützte Methodenkompetenz: Kenntnisse in Text-as-Data-Methoden, Natural Language Processing (NLP) und/oder maschinellen Lernverfahren für große Textmengen. Erfahrungen mit LLMs und transformerbasierten Modellen sind von Vorteil.
- Erfahrung mit experimentellen Forschungsdesigns und/oder Methoden kausaler Inferenz, beispielsweise Survey-Experimente, Conjoint-Analysen, natürliche Experimente, Difference-in-Differences-Analysen oder Regression-Discontinuity-Designs.
- Nachweisbare Leistungen oder deutliches Potenzial für hochwertige Forschungsergebnisse in international sichtbaren Spitzenpublikationsorganen.
- Fähigkeit, sowohl selbstständig als auch kooperativ in einem aktiven Forschungsteam zu arbeiten.
- Inhaltliches Interesse an mindestens einem der oben genannten zentralen Forschungsbereiche.
- Sehr gute schriftliche und mündliche Englischkenntnisse. Deutschkenntnisse sind von Vorteil, aber nicht erforderlich.
Methodischer Hintergrund
Computational Social Science
- Text-as-Data-Methoden.
- Einsatz von maschinellem Lernen und LLMs für sozialwissenschaftliche Fragestellungen.
- Erhebung und Analyse von Plattform-API-Daten.
- Erhebung und Analyse großer digitaler Datensätze.
Befragungs- und experimentelle Methoden
- Konzeption und Auswertung von Survey-Experimenten, Conjoint-Experimenten sowie Online- oder Feldexperimenten.
- Stichprobenziehung und Fragebogengestaltung.
Kausale Inferenz
- Quasi-experimentelle Designs.
- Difference-in-Differences-Analysen.
- Regression-Discontinuity-Designs oder verwandte Ansätze.
Unser Angebot
- Eine Postdoc-Forschungs- und Lehrstelle für drei Jahre mit der Möglichkeit einer Verlängerung um zwei Jahre (3+2), vorbehaltlich einer Leistungsbewertung.
- Vergütung nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst der Länder (TV-L) in der Entgeltgruppe E 13 bei einem Beschäftigungsumfang von 100 %.
- Vollständige Einbindung in das Content Moderation Lab und den Lehrstuhl für Digital Governance sowie Zugang zu laufenden drittmittelfinanzierten Forschungsprojekten, originären großskaligen Datensätzen und experimenteller Infrastruktur auf TUM-Ebene.
- Ein anregendes und kooperatives Forschungsumfeld mit aktiven Verbindungen zu führenden Forschenden aus Politikwissenschaft, Computational Social Science und Kommunikationswissenschaft in Europa und Nordamerika.
- Unterstützung bei Konferenzteilnahmen, Weiterbildungen und Kosten für Open-Access-Publikationen.
- Arbeitsplatz in zentraler Lage in München, einem bedeutenden Standort für Forschung zu Künstlicher Intelligenz und Technologie.
Die Hochschule für Politik München an der Technischen Universität München strebt an, den Frauenanteil in ihrer Belegschaft zu erhöhen, und fordert qualifizierte Bewerberinnen ausdrücklich zur Bewerbung auf. Die Stelle ist auch für Menschen mit Behinderung geeignet. Bei im Wesentlichen gleicher Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung werden Bewerber:innen mit Behinderung bevorzugt berücksichtigt.
Ihre Bewerbung
Wenn Sie unser Team verstärken möchten, reichen Sie Ihre Bewerbung bitte bis 16. Oktober 2026 über Heyrecruit ein.
Ihre Bewerbung soll folgende Unterlagen enthalten:
- ein Anschreiben beziehungsweise Motivationsschreiben von maximal zwei Seiten,
- einen aktuellen Lebenslauf einschließlich einer vollständigen Liste Ihrer Publikationen und laufenden Arbeiten,
- ein Forschungskonzept von maximal zwei Seiten,
- Zeugnisse oder gleichwertige Nachweise Ihrer akademischen Ausbildung, insbesondere zu Forschungsmethoden,
- eine Arbeitsprobe: veröffentlichter Artikel, zur Veröffentlichung angenommene Manuskriptfassung oder Working Paper. Bei gemeinschaftlich verfassten Arbeiten geben Sie bitte Ihren eigenen Beitrag an,
- Namen und Kontaktdaten von drei wissenschaftlichen Referenzpersonen.
Der voraussichtliche Beschäftigungsbeginn ist der 1. Januar 2027 oder der nächstmögliche Zeitpunkt danach.
Für informelle Rückfragen wenden Sie sich bitte an Prof. Dr. Yannis Theocharis: yannis.theocharis@tum.de.
Die Bewerbung erfolgt direkt beim Arbeitgeber über Bundesagentur für Arbeit.
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