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Quereinstieg

Quereinstieg in den öffentlichen Dienst: Wege, Gehalt, Verbeamtung

Behörden stellen längst nicht mehr nur Verwaltungsfachangestellte ein. Wer Quereinsteiger sucht, wie die Eingruppierung ohne Verwaltungsausbildung funktioniert und wann eine Verbeamtung noch möglich ist.

Redaktion StaatsJobs.com· Veröffentlicht · Aktualisiert

Das Wichtigste in Kürze

Dem öffentlichen Dienst fehlen nach dem dbb Monitor 2026 rund 600.000 Beschäftigte, deshalb öffnen Behörden viele Stellen für Fachkräfte ohne Verwaltungslaufbahn. Eingruppiert wird nach der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit, nicht nach dem Abschluss. Nach § 16 Abs. 2 TVöD führt ein Jahr einschlägiger Berufserfahrung zu Stufe 2, drei Jahre in der Regel zu Stufe 3; E 11 Stufe 3 im TVöD VKA sind 5.046,03 € brutto. Für die Kernverwaltung folgt die Nachqualifizierung über den Verwaltungslehrgang, für die Verbeamtung entscheidet beim Bund nach § 19 BBG der Bundespersonalausschuss.

Nach dem dbb Monitor öffentlicher Dienst vom 14. Januar 2026 fehlen Bund, Ländern und Kommunen rund 600.000 Beschäftigte, um die übertragenen Aufgaben zu erfüllen. Gegenüber dem Vorjahr sind das etwa 30.000 Vollzeitkräfte mehr. Aus den eigenen Ausbildungsgängen lässt sich diese Lücke nicht schließen, und deshalb sind Stellen offen, die vor zehn Jahren nur mit Verwaltungslaufbahn zu bekommen waren.

Wo Behörden tatsächlich ohne Verwaltungslaufbahn einstellen

Der Bedarf ist dort am größten, wo der private Arbeitsmarkt die Gehälter nach oben getrieben hat. In der IT betrifft das Administration, Softwareentwicklung, Informationssicherheit und Projektleitung; die Rechenzentren des Bundes und der Länder sowie kommunale IT-Dienstleister schreiben laufend aus. Im Bauwesen bleiben Ingenieurstellen für Straßen- und Wasserbau, Hochbau und Vermessung in Bauämtern und Landesbetrieben oft monatelang unbesetzt. Für Mangelfächer an Schulen führen alle Länder Seiteneinstiegsprogramme mit berufsbegleitender pädagogischer Qualifizierung; welche Fächer und Bedingungen gelten, ordnet der Beitrag zum Seiteneinstieg als Lehrkraft.

Dazu kommen kommunale Kliniken und Gesundheitsämter, die Pflegekräfte und Ärztinnen nach eigenen Tabellen bezahlen, sowie Personal-, Haushalts- und Vergabestellen, die kaufmännische Abschlüsse akzeptieren. Passende Ausschreibungen liegen unter Stellen mit Quereinstieg. Achten Sie im Anforderungsprofil auf die Formulierung „oder vergleichbare Qualifikation“: Sie ist der Hebel, mit dem die Personalstelle einen Abschluss außerhalb des Verwaltungswegs anerkennen kann.

Wie die Entgeltgruppe ohne Verwaltungsausbildung entsteht

Bei Tarifbeschäftigten gilt die Tarifautomatik: Eingruppiert wird nach der Tätigkeit, die Sie tatsächlich ausüben, nicht nach dem Abschluss in Ihrer Mappe. Der Abschluss bleibt die Eintrittskarte, weil die Tätigkeitsmerkmale der Entgeltordnung für die höheren Gruppen eine bestimmte Ausbildung oder gleichwertige Fähigkeiten und Erfahrungen verlangen. Wie aus einer Aufgabenbeschreibung eine Entgeltgruppe wird, zeigt der Beitrag zur Eingruppierung.

AbschlussTypische Eingruppierung im TVöD
Berufsausbildung (3 Jahre)E 5 bis E 8, je nach Schwierigkeit der Tätigkeit
Meister, Techniker, FachwirtE 9a bis E 9b
Bachelor oder Diplom (FH)E 9b bis E 12
Master, Diplom (Uni), StaatsexamenE 13, in Leitungsfunktionen E 14 bis E 15

Die Beträge dazu stehen in der Entgelttabelle des TVöD VKA. Eine Stelle in E 11 Stufe 3 bringt dort ab 1. Mai 2026 monatlich 5.046,03 € brutto, in Stufe 1 sind es 4.269,64 €. Der Abstand zwischen den Stufen einer Gruppe ist also größer als das, was in einem Vorstellungsgespräch je verhandelbar wäre.

Welche Stufe Ihre Berufserfahrung bringt

Neben der Entgeltgruppe entscheidet die Stufe über den Betrag, und dort liegt der einzige echte Spielraum bei der Einstellung. § 16 Abs. 2 TVöD regelt drei Fälle.

  1. Ohne einschlägige Berufserfahrung werden Sie der Stufe 1 zugeordnet.
  2. Mit mindestens einem Jahr einschlägiger Berufserfahrung erfolgt die Einstellung in Stufe 2.
  3. Mit mindestens drei Jahren einschlägiger Berufserfahrung erfolgt in der Regel die Zuordnung zu Stufe 3.

Einschlägig heißt, dass die frühere Tätigkeit der neuen fachlich entspricht. Eine Softwareentwicklerin, die als Fachanwendungsbetreuerin anfängt, kann das belegen; wer aus dem Vertrieb in die Personalverwaltung wechselt, kann es nicht. Unabhängig davon erlaubt § 16 Abs. 2 Satz 3 dem Arbeitgeber, zur Deckung des Personalbedarfs Zeiten einer früheren beruflichen Tätigkeit ganz oder teilweise zu berücksichtigen, wenn diese für die vorgesehene Tätigkeit förderlich ist. Ein Anspruch entsteht daraus nicht. Sprechen Sie die Stufe deshalb im Auswahlgespräch an, bevor der Vertrag geschrieben wird; die Feinheiten der Anrechnung erklärt die Stufenzuordnung bei Neueinstellung.

Wer aus dem öffentlichen Dienst kommt, hat es leichter: Bei unmittelbarem Anschluss an ein Arbeitsverhältnis bei einem anderen TVöD-Arbeitgeber kann die dort erreichte Stufe nach § 16 Abs. 2a ganz oder teilweise übernommen werden.

Nachqualifizierung über den Verwaltungslehrgang

Für hoheitliche Sachbearbeitung erwarten viele Kommunen die Verwaltungsprüfung. Der Verwaltungslehrgang I führt zum Abschluss auf dem Niveau der Verwaltungsfachangestellten, der Verwaltungslehrgang II zur Verwaltungsfachwirtin. Beim Studieninstitut des Landes Niedersachsen umfasst der Lehrgang II einen Grundlehrgang von 380 Stunden über rund vier Monate und einen Abschlusslehrgang von 750 Stunden über rund sieben Monate; er endet mit einer Fortbildungsprüfung nach § 54 Berufsbildungsgesetz. Andere Studieninstitute strecken denselben Umfang berufsbegleitend auf zwei bis drei Jahre.

Zugelassen wird, wer die Ausbildung zur oder zum Verwaltungsfachangestellten oder die Verwaltungsprüfung I abgeschlossen hat, in Niedersachsen daneben Beamtinnen und Beamte der Laufbahngruppe 1, die zum Aufstieg zugelassen sind. Die Kosten trägt üblicherweise der Arbeitgeber, oft mit Rückzahlungsklausel bei vorzeitigem Ausscheiden. Welche Entgeltgruppen der Abschluss öffnet, steht in der Übersicht zu Verwaltungslehrgang I und II.

Verbeamtung ohne Vorbereitungsdienst

Eine Verbeamtung ist auch ohne Vorbereitungsdienst möglich, hängt aber an drei Bedingungen. § 7 BeamtStG verlangt die deutsche Staatsangehörigkeit oder die eines anderen EU-Mitgliedstaats, eines EWR-Staats oder eines Drittstaats mit entsprechendem Vertrag, die Laufbahnbefähigung und die Gewähr, jederzeit für die freiheitliche demokratische Grundordnung einzutreten. Bei dringendem dienstlichen Interesse sind Ausnahmen von der Staatsangehörigkeit möglich.

Die Laufbahnbefähigung ist die eigentliche Hürde. Wer die vorgeschriebene Vorbildung nicht hat, kann sie durch Lebens- und Berufserfahrung erworben haben; beim Bund stellt das nach § 19 BBG der Bundespersonalausschuss oder ein von ihm bestimmter unabhängiger Ausschuss fest. In den Ländern übernimmt das der jeweilige Landespersonalausschuss oder die oberste Dienstbehörde. Typisch ist dieser Weg für Ingenieurinnen, IT-Fachleute und Ärzte im gehobenen und höheren Dienst.

Dazu kommt das Höchstalter, das nicht im Statusgesetz steht, sondern in den Landesbeamten- und Laufbahngesetzen; die Werte der einzelnen Dienstherren listet die Übersicht zur Altersgrenze. Vor der Ernennung steht die amtsärztliche Untersuchung, danach die Probezeit als Beamter auf Probe, auf die Zeiten im Tarifverhältnis angerechnet werden können.

Womit Sie im Alltag rechnen müssen

Die Vorteile stehen in jeder Ausschreibung: unbefristete Stellen mit wachsendem Kündigungsschutz, 30 Tage Urlaub, Jahressonderzahlung, Zusatzversorgung über die VBL oder eine kommunale Kasse, Gleitzeit und ein Teilzeitanspruch, der auch durchgesetzt wird. Was nicht in der Ausschreibung steht, ist der Preis dafür. Der Tabellenbetrag ist der Betrag; Bonusmodelle gibt es nicht, und der Tarif endet praktisch bei E 15. Eine Beförderung setzt eine freie und bewertete Planstelle voraus, nicht nur gute Arbeit. Entscheidungen laufen über Gremien, Beschaffungen über Vergabefristen, und Software ist oft älter als Ihre letzte Arbeitgeberin.

Der häufigste Fehler beim Wechsel ist die Reihenfolge. Wer erst zusagt und dann über Stufe, Zulage oder Verbeamtung reden will, verhandelt gegen eine Personalstelle, die den Vorgang bereits abgeschlossen hat. Klären Sie Entgeltgruppe, Stufenzuordnung und, falls relevant, die Planstellenfrage vor der Unterschrift; alles danach ist eine Bitte, kein Anspruch.

Häufige Fragen

Kann ich ohne Verwaltungsausbildung in den öffentlichen Dienst wechseln?

Ja. Bei Tarifbeschäftigten richtet sich die Eingruppierung nach der tatsächlich ausgeübten Tätigkeit, nicht nach einer bestimmten Ausbildung. Stellen in IT, Technik, Pflege und im Sozial- und Erziehungsdienst werden gezielt für Fachkräfte ohne Verwaltungshintergrund ausgeschrieben. Der Abschluss bleibt trotzdem wichtig, weil die Tätigkeitsmerkmale der Entgeltordnung für höhere Entgeltgruppen eine bestimmte Ausbildung oder gleichwertige Fähigkeiten und Erfahrungen verlangen.

Wird meine Berufserfahrung aus der Privatwirtschaft beim Gehalt angerechnet?

Teilweise. Nach § 16 Abs. 2 TVöD führt mindestens ein Jahr einschlägiger Berufserfahrung zur Stufe 2, bei mindestens drei Jahren erfolgt in der Regel die Zuordnung zur Stufe 3. Einschlägig heißt: Die frühere Tätigkeit muss der neuen fachlich entsprechen. Unabhängig davon kann der Arbeitgeber nach § 16 Abs. 2 Satz 3 zur Deckung des Personalbedarfs förderliche Zeiten ganz oder teilweise anrechnen. Das ist eine Kann-Regelung ohne Anspruch.

Bis zu welchem Alter ist eine Verbeamtung möglich?

Das Höchstalter steht nicht im Beamtenstatusgesetz, sondern in den Landesbeamten- und Laufbahngesetzen, es fällt daher je nach Dienstherr anders aus. Ausnahmen gibt es unter anderem für Kinderbetreuungszeiten und Wehrdienst. Wer knapp an einer Grenze liegt, sollte die Altersfrage vor der Bewerbung mit der Personalstelle klären, weil sich daran entscheidet, ob überhaupt eine Planstelle in Betracht kommt.

Wie lange dauert der Verwaltungslehrgang II?

Beim Studieninstitut des Landes Niedersachsen besteht der Verwaltungslehrgang II aus einem Grundlehrgang von 380 Stunden über etwa vier Monate und einem Abschlusslehrgang von 750 Stunden über etwa sieben Monate. Er endet mit der Fortbildungsprüfung zur Verwaltungsfachwirtin oder zum Verwaltungsfachwirt nach § 54 Berufsbildungsgesetz. Andere Studieninstitute verteilen denselben Stoff berufsbegleitend über zwei bis drei Jahre.

Verdiene ich im öffentlichen Dienst weniger als in der Privatwirtschaft?

In den unteren und mittleren Entgeltgruppen ist der Abstand gering, in gefragten Fachberufen kann er groß sein. Der Tarif endet praktisch bei E 15, ohne Bonusmodelle und ohne Firmenwagen. Dafür ist die Bezahlung transparent und steigt automatisch mit der Stufenlaufzeit. Wer aus einer gut bezahlten IT- oder Ingenieurstelle kommt, sollte den Tabellenbetrag der Zielgruppe vor der Bewerbung nachschlagen und nicht auf spätere Verhandlungen setzen.

Quellen und Stand

Zuletzt geprüft: . Zahlen und Paragrafen stammen aus den folgenden Primärquellen.

  1. dbb Monitor öffentlicher Dienst 2026 (rund 600.000 fehlende Beschäftigte) · veröffentlicht 14.1.2026
  2. TVöD Allgemeiner Teil (§ 16 Abs. 2 und 2a, § 17 Abs. 2), Lesefassung der VKA · Fassung des Änderungstarifvertrags Nr. 22 vom 6.4.2025, Stand 1.1.2026
  3. § 7 BeamtStG (Voraussetzungen des Beamtenverhältnisses) · abgerufen 7.9.2026
  4. § 19 BBG (Feststellung der Laufbahnbefähigung durch den Bundespersonalausschuss) · abgerufen 7.9.2026
  5. Verwaltungslehrgang II, Studieninstitut des Landes Niedersachsen (Stundenumfang, Zugang, Abschluss) · abgerufen 7.9.2026
  6. Entgelttabelle TVöD VKA · Stand 1.5.2026